Sarajevo

Izet Sarajlić

Sarajevo

Mit Hommages von Hans Magnus Enzensberger, Jochen Kelter und Sinan Gudžević. Deutsch von Marina Achenbach, Jochen Kelter, Milo Dor, Hans Magnus Enzensberger und Jochen Lanksch

Gedichte

Frauenfeld 1994, Neuausgabe 2007

Bodoni Drucke (BD)

ISBN-10 (3-7294-0201-3 – vergriffen)

ISBN 978-3-03740-201-6

Preis CHF 30,00

Preis EUR 28.00

 

Menschliche Integrität und Anteilnahme, die Worte finden für den Krieg, für die Zeiten danach, für die Sehnsüchte. Izet Sarajlić bleibt der Dichter der im besten Sinn multikulturellen Stadt Sarajevo.

«Hier sind Gedichte versammelt, die in über fünfzig Jahren entstanden sind. Fünfzig Jahre, aber es scheint, dass alles an einem einzigen Tag aufgeschrieben wurde. In der Stadt Sarajlićevo.
Im Gedicht ‹Blues›, wie im Gespräch mit Plato, Aristoteles, Lukrez, mit Blick auf die Bibel und den Koran und auf Dante, steht das:

es wäre interessant zu wissen,
wohin gehen nach uns unsere Seelen.

So ist der ganze Izet Sarajlić. Kindlich, absichtlich, einfältig, und dann macht er einfach, was er will. Er schreibt, als ob das vor ihm niemand sonst getan hätte und also ob sich nach ihm nie jemand damit abgeben würde. Alle die Puschkins, Tolstojs, die Kontinente und Erden, auf denen die Thomas Manns laufen, sind nur eine geniale Kulisse, hinter der das Leben ist und der Geist. Und noch vieles zwischen Leben und Geist. Zaubertrickhaft und magisch.
Dem Leser von Sarajlić kann es geschehen, dass er vom Effekt der ersten dichterischen Absicht befriedigt ist. Aber sie ist nicht das ganze Angebot. Die Kunststücke und die Magie zeigen sich jenen, die sich an die Enträtselung der inneren Ordnung dieser Gedichte wagen.» Sinan Gudžević


Leseproben:

Der jüdische Friedhof

Die todbringenden Schüsse
in Richtung Marienhof
kommen vom jüdischen Friedhof.

Weder weiß der Milošević-Söldner,
wer Isak Samokovlija ist,
hinter dessen Grabstein er sein Maschienengewehr postiert hat,
noch wer der ist, der gerade umgefallen ist,
getroffen von seinem Schuss.

Er bekommt einfach
für jeden getöteten Städter,
sei er ein Arzt der Ambulanz,
sei er ein Straßenbahnfahrer
je hundert deutsche Mark.


Nach Struga

Versprecht
bis zum nächsten Mal in Struga Kinder zu bleiben.

Versprecht
in keinem Krieg zu fallen.

Versprecht
wenigstens fünf Liebesgedichte zu schreiben.

Versprecht
zu versuchen die ganze Welt zu eurer Heimat zu machen.

Ich versprech´s!

 

 
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